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Was war wann

Hallo ihr Lieben,

hier ausnahmsweise mal ein Beitrag, der sich mit einem Urlaub aus dem letzten Jahr beschäftigt: Mit meiner Cabrio/Wandertour in den Cinque Terre in Italien. Die Gegend stellt sozusagen den südlichen Ausläufer von Ligurien dar und grenzt direkt an die Toskana. Ich bin mit dem Cabrio über Südtirol hingefahren und hatte seinerzeit darüber einen Text verfasst, den ich euch nicht vorenthalten möchte!

Soweit die Räder rollen…

Das Ende der Straße kommt für mich recht unvermittelt. Ich habe ja Erfahrung mit dem Sauerland und den Hochalpen, daher meine ich nun, mich auf den engen Sträßchen und Serpentinen Liguriens  durchaus gut zurechtfinden zu können…

Ich schlage den Lenker also ganz nach links ein, zirkele um die Kurve, erwarte meine Abzweigung nach Vernazza und sehe das Schild: „strada chiusa“. Straße gesperrt.

Ich drehe. Fahre wieder bergan. Nehme nach fünf ziemlich gewundenen, wunderschön zu fahrenden Panoramakilometern die nächste Straße. Diesmal habe ich mehr Glück, sie ist nicht gesperrt, lediglich die talwärtige Hälfte ist unterspült und weggeschwemmt. Ich weiß: im Oktober des letzten Jahres gab es eine massive Schlammflut, nach teils unglaublichen Regenfällen sind die Wassermassen quasi ungebremst die engen Täler herabgebraust und haben alles auf ihrem Wege mitgerissen – auch die ohnehin schon engen Straßen. So wurden also die Zufahrten zu den fünf Dörfern der Cinque Terre vom Zustand „spannende Bergsträßchen“ in den Zustand „schwarze Abfahrt“ gesteigert. Also: Nichts für Anfänger!

Ich halte vor der Engstelle und steige aus. Der Asphalt ist auf zwei Meter Straßenbreite weggerissen, der Abgrund mit schweren Betonblöcken gesichert. Etwa zweieinhalb Meter misst der Rest der Straße in der Breite, das sollte für mich kein Problem sein. Aber für LKWs schon… ich frage mich, wie sich die Einheimischen hier wohl mit den Waren des täglichen Bedarfs versorgen!

Ich mache den Motor aus. Kein anderes Fahrzeug. Ruhe.

Dann setzt das Zirpen der Zikaden ein. Es ist warm, um die 30 Grad, aber nicht schwül. Eine schöne Luft, würzig, es duftet nach Bergkräutern: Salbei, Rosmarin, Thymian. Ligurische Macchia! Ein Land, in dem man ebenso gut wandern wir Cabrio fahren kann. Deshalb bin ich hier!

Ich steige wieder ins Auto und setze meine Fahrt fort, bis hin zum Parkplatz oberhalb von Vernazza – hier geht es für Besucher nicht weiter, das Fahrzeug bleibt außerhalb der Stadt. Ich steige aus, schultere meinen Rucksack und wandere ins Dorf.

Doch von Anfang an: Mein Plan ist es, von zu Hause mit meinem SLK über Südtirol in die Cinque Terre zu fahren, um dort ein wenig – zu Cabrio und zu Fuß – auszuspannen.

Mit vollem Kofferraum plus Rucksack auf dem Beifahrersitz fahre ich über Frankfurt, Füssen und das Timmelsjoch in die Meraner Gegend und dann weiter nach Verona, Mantua, Parma und schließlich in Richtung La Spezia. Das Wetter ist zunächst recht bescheiden, will heißen: Es regnet ununterbrochen. Das geht so bis zum Gardasee, dann brechen die Wolken endlich auf und ich sehe das, wofür ich hier bin: Sonne und Licht! Und das Licht hier ist einfach anders als bei uns nördlich der Alpen.

Während ich am Gardasee vorbeifahre, schleichen sich die Berge langsam aus – während am Nordufer des Gardasees eigentlich noch Alpenatmosphäre herrscht, sieht es am Südufer ganz anders aus: Dort, etwa ab Valpolicella, kann man davon sprechen, dass das Gebirge nunmehr überwunden ist. Der Übergang ist indes nicht so abrupt wie am Alpennordrand (dort, bei Füssen, hört ja unvermittelt das hügelige Alpenvorland auf und die eigentlichen Alpen steht wie eine hohe Wand quer zum Weg), sondern eher fließend, auf etwa 50 Kilometer senkt sich die Landschaft ab, bis man dann letztlich im Flachland ist, etwa 40 Meter über dem Meeresspiegel. Verona ist erreicht.

Etwa vierzig Kilometer später, bei Mantua, verlasse ich die Autostrada, und dann heißt es sofort: Dach auf!

Eben noch kühl durch die Klimaanlage, wird es nun warm (und feucht… die Po-Ebene ist eben keine Wüste!). Die Sonne wärmt, und die Zikaden stimmen ihr sommerliches Konzert an. Ich habe nun an die 100 Kilometer quer durch die Po-Ebene vor mir, eine fruchtbare Gegend, topfeben, warm… erst durch die südlichen Ausläufer der Lombardei und dann durch die Emiglia Romagna. Am Schluss einige Kilometer Toskana, dann erreiche ich das östliche Ligurien.

Schon die Autostrada dorthin ist ein Panoramaschauspiel, die Straße windet sich in für eine Autobahn schon recht beachtlichen Kehren quer durch die ligurischen Berge, meistens auf einer Höhe von etwa 400 bis 800 Metern über dem Meeresspiegel. Es herrscht Tempolimit: Weite Teile dieser Autobahn sind auf 80 oder sogar 60 km/h begrenzt. Für mich ein Glück, denn ich habe ja keinen Termin! Also: Wieder Dach auf! Auf der Autobahn ist das Offenfahren ja sonst vielfach grenzwertig, weil extrem laut durch die schiere Masse an LKWs, die hier unterwegs sind. Aber eben nicht bei Temo 80! Also: Tempomat rein, zurücklehnen, ich genieße die Fahrt!

Kurz vor La Spezia verlasse ich dann die Autobahn und das Kurvenfahren beginnt. Ich fahre durch sonnendurchflutete Steineichen- und Olivenwälder Richtung Küste. Die Straßen werden immer enger und kurvenreicher, die Serpentinen erreichen hier Steigungen von bis zu 20%, und das bei einem Kurvenwinkel von 180 Grad! Abenteuerlich –aber ich muss ja nicht heizen. Cruisen heißt die Devise!

Nach etlichen Kilometern dann sehe ich das erste Hinweisschild in Richtung Cinque Terre. Die Straße senkt sich jetzt ab und wird noch ein wenig steiler… und dann… sollte gleich die Abzweigung nach Vernazza kommen…

… und dann die Füße tragen

In Vernazza angekommen beziehe ich zunächst einmal meine Unterkunft, ein restauriertes Haus direkt in der Altstadt. Ankommen, Duschen, auf die Piazza gehen, ein Bier trinken, Leute gucken… mein Standardprozedere zu Urlaubsbeginn.

Man darf natürlich nicht verschweigen, dass die Cinque Terre ein weltweit bekanntes Touristenziel sind und daher gerade in der Hauptsaison von Touristen (speziell aus Amerika, China und Skandinavien) förmlich überrannt werden. Also gibt es auch etliche Touristenfallen, und in so einer sitze ich gerade (was ich aber noch nicht weiß!). In der Trattoria, die ich für mein Ankunftsbier gewählt habe, werde ich in einigen Minuten sieben Euro für das Bier bezahlen. Was zur Folge hat, dass ich dort in der kompletten Woche, die ich dort im Ort verweilen werde, keinen Cent Umsatz mehr mache!

Ich entschließe mich zu einer Nachmittagswanderung ins Nachbardorf, nach Monterosso. Dort gibt es neben dem obligatorischen alten Ortskern auch einen Strand (die einzige nennenswerte, größere Badegelegenheit in den Cinque Terre), an dem man ein wenig „den Schweiß der weiten Reise“ „wegbaden“ kann.  Man sollte natürlich wissen, dass die dort vorhandenen Balneares durchaus saftige Eintrittspreise nehmen – aber es gibt ja genug freie Strandabschnitte, an denen man ganz umsonst seinen Spaß und seine Entspannung haben kann. Und man lernt die interessanteren Leute dort kennen!

Wandern in den Cinque Terre ist wohl das bekannteste, probate Fortbewegungsmittel. Alle fünf Dörfer (plus einige Orte außerhalb des Nationalparks) sind mit einer Bahnlinie verbunden, so dass man in jede Richtung wandern kann und dann in jedem beliebigen Dorf – ganz nach Kondition – die Wanderung beenden und mit dem Zug nach Hause fahren kann.

So halte ich das auch an diesem Nachmittag in Monterosso: Die Wanderung über den Wanderweg Nr. 2 – den Küstenwanderweg – ist nicht ganz unanstrengend und dauert etwa 1 ½ bis 2 Stunden, je nach körperlicher Verfassung und je danach, wie oft man zum Fotografieren und „Panorama gucken“ anhält. Und dazu gibt’s hinreichend Gelegenheiten, denn der Küstenpfad zieht sich in bis zu 300 Meter Höhe, um dann wieder fast auf Meeresniveau abzufallen. Ich steige hier viele Treppenstufen, die Wege sind sehr gut ausgebaut, aber eben steil und steinig. Anders als in den Alpen, wo es in den Tallagen eher moderat ist und die Berge in Richtung Gipfellagen steil werden, ist es hier genau umgekehrt: Die steilsten Passagen befinden sich im unteren Bereich der Berge, in Sichtweite der Dörfer.

Solchermaßen wieder ins Schwitzen gekommen, lasse ich mich in Monterosso erst einmal ins Meer fallen. So wie ich bin. Dann aufs Handtuch, ich lasse mich von der Sonne trocknen. Das Salz bleibt auf der Haut, aber das werde ich mir dann zu Hause abduschen.

Nach dem Sonnenbad suche ich mir eine Trattoria, diesmal in der zweiten Reihe, und genehmige mir zum Abendessen eine „Pizza al acciughe“ (Pizza mit Sardellen, hat man oft und gerne am ligurischen Meer) und einen „mezzo di bianco“. In den Cinque Terre wird ein Weißwein kultiviert, den man unbedingt probiert haben sollte. Spritzig, leicht, aber dennoch ein wenig erdig und naturverbunden, passt er ausgesprochen gut zu der oben beschriebenen Pizza. Und zur Landschaft. Und zu den Wanderungen…

Ich plane meine nächsten Tage: Neben dem Küstenwanderweg von Monterosso über Vernazza, Corniglia, Manarola nach Riomaggiore gibt es einen Höhenwanderweg (wie sollte es anders sein: es ist der Wanderweg Nr. 1), der auf dem Höhenrücken der den Dörfern nächstgelegenen Bergkette verläuft und damit die landseitige Begrenzung des Nationalparks Cinque Terre darstellt. Diesen Weg werde ich gehen, und da dieser durch recht viele, spannende Wege mit der Küste verbunden ist, kann ich hier diverse Etappen bilden, an deren Ende ich den kompletten Nationalpark gesehen haben werde.

Auch mit dem Schiff – es gibt zwei Taxibootlinien entlang der Küste – werde ich fahren, um mir die beiden Hafenorte Porto Venere und Portofino anzusehen. Hierhin könnte ich auch mit dem Cabrio fahren, aber ehrlich gesagt, sitze ich ja gerade in der  Trattoria in Monterosso beim „mezzo di bianco“, blinzle in den Sonnenuntergang, schaue mir die Möwen an, die über die Hafenpromenade hinwegfliegen und winke dem Kellner zu. Jetzt möchte ich noch probieren, ob die Bauern der Gegend einen ordentlichen Grappa brennen können.

Das ist Italien! Ich will hier nie wieder weg!

Muss ich aber natürlich irgendwann, also steige ich in den Zug und fahre zurück nach Vernazza.

Und hier noch ein paar Bilder:

Infos:

Tourdaten: Juli 2012, 1 Woche, Anfahrt Dortmund – Frankfurt – Würzburg – Füssen – Verona – Mantua – Parma – La Spezia – Cinque Terre, ca. 1300 km pro Strecke

Tatwaffen: Mercedes SLK 200 Kompressor (R172) / Jack Wolfskin “Escalade Mid Texapore Men” Wanderstiefel ;o)

Maut: In Österreich kann man die Maut komplett vermeiden, wenn man über den Reschenpass fährt, vorher also von Imst aus über die L16 und L77 zur Reschenstraße fährt und somit Landeck umfährt. Empfehlenswerter (weil spektakulärer) ist die Fahrt über das Timmelsjoch (Maut € 14,- für 1 Strecke, € 18,- hin und zurück). Auch hier kann man sich die Autobahnmaut schenken, man kann gut über die Bundesstraße von Nassereith zum Eingang des Ötztals fahren.

Schweiz-Route: Ich selbst bin über Südtirol gefahren (Zwischenstop – empfehlenswert!). Der direkte Weg führt durch die Schweiz und ist nur ca. 150 km kürzer als der Weg durch Südtirol. Die Maut (Jahresvignette) beträgt umgerechnet € 33,- Achtung: Diese Strecke führt in Deutschland über die vielbefahrene Achse Frankfurt – Mannheim – Karlsruhe – Basel. Staugefahr (alle Frankreich-, Italien-, Spanien- und Schweizurlauber benutzen diese Route). Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass die A7 Würzburg – Füssen viel schneller ist.

Unterkunft vor Ort: Trattoria Gianni Franzi / www.giannifranzi.it

Stammtrattoria vor Ort: Fratelli Basso in Vernazza an der Dorfstraße. Reelle Pizza (mit der Hand zu essen) und guter Blues und Hardrock aus dem Radio. Signore Basso macht um 22 Uhr zu, man kann dann aber problemlos noch einen „mezzo di rosso“ und eine Pizza bestellen und vor dem Laden sitzen bleiben.

Touristenfalle: „Gianni Franzi“ betreibt ein Hotel (gut!) und eine Trattoria (Touristenfalle, weil überteuert). Besser (und preisgekrönt) ist die Trattoria „Gambero Rosso“ direkt daneben, ebenfalls auf der Piazza. Besonders empfehlenswert: Die Fischgerichte!

Taxiboot: Hat man mal keine Lust auf Cabrio oder Wandern, kann man mit dem Schiff nach Portofino (Achtung: Promi-Alarm) oder Portovenere schippern. Das Tagesticket kostet € 25,- für einen Erwachsenen, damit kann man theoretisch ganztägig hin- und herschippern. Das lohnt sich aber kaum, schöner ist es, die Jack Wolfskins mitzunehmen und vor Ort ein wenig herumzuwandern (Trattoria in der zweiten Reihe suchen und Spaß haben).

Porto Venere: Hafenort südlich der Cinque terre, mit den Auto oder dem Boot zu erreichen. Grandiose Aussichten über den Golfo della Spezia.

Portofino: Malerisches Städchen nördlich der Cinque Terre, ebenfalls mit dem Boot zu erreichen. Geheimtipp: Vom Hafen aus die Hauptstraße in den Ort hineingehen, immer weiter, bin hinter den Parkplatz und am Gebäude der Stadtverwaltung vorbei. Nach ca.3500 Metern erreicht man auf der linken Straßenseite die Trattoria „Concordia“. Dort wird mit Olivenöl direkt aus Portofino gearbeitet, die Küche ist einfach, aber gut, die Preise nicht überteuert (was in Portofino sonst durchaus passieren kann).

Monterosso: Der Ort ist insbesondere bekannt für seine Zitronenbaumplantagen. Man sollte nicht versäumen, dort einen Zitronensaft aus einheimischen Zitronen oder – an heißen Tagen – besser einen Granita zu genießen.

Bier: Das am häufigsten angebotene Bier ist „Birra Moretti“. Es ist zwar nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, aber das nur, weil zusätzlich Mais bei der Herstellung verwendet wird. Meiner Meinung nach ist das völlig in Ordnung, das Bier ist sehr süffig und schmeckt am besten eiskalt direkt aus der großen Flasche (0,66l).

Preisniveau: Machen wir uns nichts vor, die Cinque Terre stehen auf der UNESCO-Welterbeliste und sind insbesondere in den USA ebenso bekannt wie das Kolosseum, der schiefe Turm von Pisa oder der Eiffelturm in Paris. Entsprechend sind die Preise.

Cabriofahren in den Cinque Terre: Überall liest man „Man kann nicht!“. Aber: „Man kann!“. Da es sich (zumindest nicht mehr) um eine Arme-Leute-Gegend handelt, kann man sein Auto getrost auf einen Parkplatz stellen, auch über Nacht. Man ist in guter Gesellschaft mit Peugeot-Cabrios, BMW Z3/4 und Mercedes SLK. Aber: Parken vor der Hoteltür geht nicht! Am Ende der Fahrt ist immer ein Fußmarsch angesagt.

Mehr Informationen über die Cinque terre: www.5terre.de

Gruß vom Hügelstürmer
The Couch is not enough!